By Maxi Berger

Der Arbeitsbegriff Hegels ist mehrdeutig: Er umfasst den Bereich der ökonomischen Arbeit ebenso wie die Arbeit, die den Geist der Menschheit in der Geschichte, der Kunst und der Gesellschaft hervorbringt und entwickelt. Die Gemeinsamkeit dieser unterschiedlichen Arbeitsbegriffe liegt nach Hegel darin, dass sie von der menschlichen Existenz nicht wegzudenken sind. Beide bestimmen den vernünftigen Zugriff der Menschen auf ihre Umwelt in der gleichen Weise: Die Menschen formulieren Zwecke, die sie an ihre Umwelt herantragen und durch geeignete Mittel zu verwirklichen suchen, gleich, ob diese Zwecke ökonomisch, kulturell oder moralisch bestimmt sind. Darüber, dass die zweckmäßige Bestimmung als shape der Bestimmung und Gestaltung der Welt im Geist der Menschheit insgesamt verstanden wird, wird die ökonomische mit der moralischen Arbeit vermittelt und Arbeit bei Hegel so insgesamt zum Ausdruck von Selbstbestimmung. Hegel vertritt damit einen Arbeitsbegriff, der für die Moderne prototypisch ist. Dass Arbeit frei mache, ist nicht nur die in grausamer Weise ideologisch umgesetzte Devise der Nationalsozialisten, sondern ein Gedanke, der eine Grundannahme der normativen Ideale der Moderne im gesamten politischen Spektrum darstellt. Diese Problematik aufnehmend, nimmt die Autorin die Hegelsche goal einer vernünftigen Begründung des Verhältnisses der Menschen zu sich selbst, zu einander und zu ihrer Umwelt ernst und befragt seinen Arbeitsbegriff nach den Grenzen vernünftiger Begründbarkeit. Sie unterstellt dabei, dass die kritische Aufarbeitung nicht nur der Auslegung eines ‚Klassikers‘ dient, sondern einen Begriff zu klären vermag, an dem auch unsere Gegenwart sich messen lassen muss.

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Zugleich nötigt aber das Problem des Anfangs der reinen Wissenschaft nicht nur dazu, auf die Phänomenologie, die Wissenschaft von der Erfahrung des Bewußtseins, zu rekurrieren, sondern verweist darüber hinaus auch auf die in der Phänomenologie zitierten Modelle philosophischer Reflexion, die dem System Hegels geistesgeschichtlich vorangegangen sind. Anders als die Gestalten des erscheinenden Geistes der Phänomenologie ist die Entwicklung in der Philosophiegeschichte dem System Hegels auch heteronom.

Moishe Postone. “ Freiburg, 2004, 5. Vgl. auch ders. Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft: eine neue Interpretation der kritischen Theorie von Marx. Freiburg, 2003. Moishe Postone. “ 8. 38 Einleitung Tatsache zunächst trivial, daß die Menschen als endliche Wesen unter der Herrschaft der Zeit stehen und die Zeit, die sie individuell zur Verfügung haben, begrenzt ist. Ein jedes Ding hat nicht nur seine Zeit – wie im Rhythmus der Lebensalter und der Jahreszeiten –, sondern jeder Prozeß, jede Handlung verbraucht auch etwas von der knappen, endlichen Ressource ‚Zeit‘.

Während Herbert Marcuse, wie bereits erwähnt, den Arbeitsbegriff Hegels ontologisiert, um ihn so für eine Kritik der Trennung von Hand- und Kopfarbeit nutzbar zu machen, verweist Adorno in den Drei Studien zu Hegel auf die gesellschaftlichen Gehalte eines verabsolutierten Arbeitsbegriffs: „Denn die Verabsolutierung der Arbeit ist die des Klassenverhältnisses: eine der Arbeit ledige Menschheit wäre der Herrschaft ledig. “92 Arndt weist außerdem darauf hin, daß bei der Beantwortung dieser Frage der Aspekt des Eigentums wenig Beachtung findet.

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